Ausgabe 02/2008
Editorial
Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,
in der Vorbereitung zu diesem Heft kam es in der Redaktionssitzung zu einem brainstorming, bei dem vor allem zwei Bereiche zu diesem Schwerpunktthema führten: Zum einen: Das Buch „Entschleunigung – Abschied vom Turbokapitalismus“ von Fritz Reheis, in dem er unsere zunehmende Entfremdung von natürlichen Lebensrhythmen aufzeigt, die unter anderem durch „immer mehr, immer schneller, immer effizienter produzieren zu müssen“ entstehe sowie immer mehr besitzen zu wollen, egal, auf welche Kosten. Gegen diesen unguten Prozess macht er viele Vorschläge, wie man aus dem Hamsterrad aussteigen kann durch vermeintlich kleine Schritte. Er beschreibt auch sehr ermutigend und ansteckend bereits bestehende Organisationen, die den Austritt aus dem Hamsterrad gewagt haben. Zum anderen fand zeitgleich die Planung des Kongresses „Wirtschaftenmit Geist und Seele“ statt, der dann in Bad Kissingen im Frühsommer 2008 durchgeführt wurde. Das Thema „Wirtschaft und Wirtschaften“ ist aktueller denn je: Die derzeitige internationale Finanzkrise macht deutlich, dass auf dem Finanzmarkt etwas aus dem Ruder gelaufen ist durch Gier, durch unlautere Machenschaften, durch Machtstreben. Dass es den Managern nun nicht gerade gut geht, zeigt auf der anderen Seite die Tatsache, dass es inzwischen psychosomatische Kliniken speziell für Manager gibt, in denen sie ihre Depressionen, ihr Burnout und weitere Erkrankungen ausheilen. Zwar hat schon 1972 der Club of Rome in seinem Buch „Grenzen des Wachstums“ auf kommende Krisen in allen Lebensgebieten hingewiesen, aber jetzt wird es vielleicht erst richtig spürbar und daher ernster genommen. Die Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe zeigen auf verschiedene Weise mögliche Wege und Auswege aus dieser Krise. Gemeinsam ist vielleicht allen: Wenn wir uns an unsere innere Quelle anschließen, von da aus handeln, kann Wirtschaften zum Wohle aller nützlich sein und gelingen. Die vorliegenden Beiträge zum Schwerpunktthema sind überarbeitete Vorträge, die auf dem Kongress „Wirtschaften mit Geist in Seele“ gehalten wurden. Joachim Galuska spannt mit dem Titelthema des Kongresses einen weiten Bogen auf. Er beleuchtet die Themen Investieren und Finanzieren, Einkaufen, Arbeiten sowie Führen unter dem Aspekt, dieses mit Geist und Seele zu tun, als aufregende Möglichkeit und schließt mit „Wirtschaften mit Geist und Seele bedeutet also, dem Leben zu dienen“. Hier schließt der Artikel von Hans Wielens an mit der Frage „Führen und Dienen – Widerspruch oder Persepktivwechsel?“ , indem er aufzeigt, wie überaus notwendig das Dienen besonders in Führungspositionen ist, der Mit-, Um-, und Nachwelt, den Menschen, mit denen wir zu tun haben, sowie sich selbst gegenüber und stellt schlussfolgernd ein Ausbildungskonzept zur integrierten Führerschaft dar. Anna Gamma zeigt in ihrem Beitrag „Meisterlich leben und arbeiten“ den ‚Nutzen‘ von Zen-Weisheiten für Menschen, die Verantwortung tragen. Es geht ihr dabei um den Weg zu unserem inneren Meister, unserer inneren Meisterin des Lebens, der Gedanken und der Gefühle. Sie plädiert für die Übung in Dankbarkeit und damit für ein Ja zum Leben. Sylvia Kéré Wellensiek zeigt in „Die Kraft der Klarheit“ anhand eines Fallbeispiels die von ihr entwickelte Arbeitsmethode ‚Human-Balance-Training‘, welches sich in einem Prozess von zehn klar gegliederten Schritten vollzieht. In diesem Vorgehen werden die Belange einzelner Mitarbeiter, systemische Gegebenheiten, Qualitäten von Schlüsselpositionen, Arbeitsbedingungen in allen erforderlichen Aspekten beleuchtet und zur lösenden Veränderung geführt. Zum Schluss der Schwerpunktartikel zeigt Dorothea Galuska „Die Vision einer sich selbst inspirierenden Unternehmenskultur“ auf. Durch die Analyse eines faszinierenden, mitreißenden Konzertes fand sie vier Qualitäten, die sie für das Gelingen eines konstruktiven, erfüllenden und produktiven Miteinanders für maßgeblich hält: Wachheit und körperliche Präsenz, die Synthese aus Individualität und Zusammenspiel, klare Strukturen und Freiheit im Spiel sowie Virtuosität und Exzellenz. Von etwas ganz anderem handelt scheinbar „Die spirituelle Reise“ von Edgar Harnack: Er macht deutlich, dass jede Reise entweder als Konsum oder aber als ‚auf dem Weg sein‘ genutzt werden kann. Er zeigt dies sowohl in Methaphern als auch ganz konkret auf. Im übertragenen Sinne lässt sich diese Betrachtungsweise doch auch für unser Schwerpunktthema nutzbar machen: Auch im Wirtschaftsleben kann jede Begegnung verwandeln, wenn wir offen dafür sind. Außerdem haben wir die Freude, Edith Zundel, eine der führenden Persönlichkeiten in der Entwicklung der Transpersonalen Psychologie, zu ihrem im Mai vollzogenen 80. Geburtstag unseren herzlichsten Glückwunsch zum Ausdruck zu bringen. Sie ist Mitbegründerin dieser Zeitschrift. Außerdem hat sie auch das SEN Deutschland mitbegründet. Aus diesem Anlass zeigen wir eine sehr verkürzte Ausgabe ihrer 1984 erstmalig veröffentlichten Einleitung zu dem Sammelband „Spirituelle Wege und transpersonale Psychologie“, die in sehr veränderter Form 1994 in „Psychothera- pie und religiöse Erfahrung“ noch einmal erschien. Für sie ist diese Einleitung ‚mein Entree in den Diskurs über das Transpersonale‘. Wir danken dem Fischer-Verlag für die Abdruckerlaubnis der 9 Texte aus dem Buch „Die Weisheit des Laotse“ (1955), das Lin Yutang herausgegeben hatte, und allen Autorinnen und Autoren für ihre kostbaren Beiträge. Ihnen wünschen wir durch das Lesen Entschleunigung und mutmachende Anregung.

