Ausgabe 02/2006
Neurobiologie und religiöses Erleben
Zusammenfassung: Moderne neurobiologische Befunde zum religiösen Erleben
führen je nach Weltanschauung des Beobachters zu gegensätzlichen Deutungen.
Materialistisch reduktionistische Denker halten es für eine – möglicherweise sogar
pathologische – im Gehirn entstehende Illusion, idealistisch und religiös Orientierte
sehen darin einen Beweis dafür, dass das Gehirn Empfänger für eine höhere, geistige Wirklichkeit ist. Für die Materialisten gibt es keine Steuerung materiellen Seins durch das geistige Sein, also auch keinen freien Willen, und auch ein Ich oder Selbst, das wahrnimmt, fühlt, denkt, handelt, ist eine Illusion. Aus religiöser Sicht gibt es eine geistige Wirklichkeit, die der materiellen ontologisch vorausgeht.
Religiöse Erlebnisse sind subjektiv und werden erst durch Deutung zur Erfahrung,
die auch sprachlich mitgeteilt werden kann. Entscheidend für die Deutung ist
der biographische und kulturelle Kontext. Neurobiologisch kann man allenfalls die
Stärke der Stimulation der beteiligten Hirnareale beobachten. Dies macht auf die Bedeutung der Gefühle für die religiöse Praxis aufmerksam.
Schlüsselwörter: Neurobiologische Befunde, religiöses Erleben, Interpretation,
reduktionistische und idealistisch-religiöse Standpunkte

