Transpersonale Psychologie und Psychotherapie»Inhaltsübersicht»Ausgabe 02/2004 - 10. Jahrgang - Heft 2

Ausgabe 02/2004

Das wahre Selbst ist das Nicht-Selbst

Eine buddhistische Perspektive

Yesche Udo Regel, Langenfeld/Eifel

Zusammenfassung: Die Lehre Buddhas ist bekannt für ihren Begriff des Nicht-Selbst. Dieses bezieht sich in absoluter Hinsicht auf die offene Weite des Bewusstseins, in der demnach kein konkretes, individuelles Selbst auffindbar ist. Die buddhistischen Meditierenden versuchen in tiefer Meditation diese offene Dimension des Geistes zu erfahren, in der jede Vorstellung von einem Selbst transzendiert wird. In relativer Hinsicht bedeutet das Nicht-Selbst die Wirklichkeit des Verbundenseins mit allen Phänomenen. So gibt es auch im Kern einer Person kein konkretes Selbst. Sie besteht aus Mustern wie den Gedanken, Vorstellungen, Gefühlen und dem Körper, die alle nicht das Selbst sind. Gemäß der buddhistischen Lehre führt die Einsicht in die Nicht-Selbst-Natur zu wirklicher Befreiung und Heilung von allem Leiden. Die Meister, die diese Einsicht hervorgebracht haben, wie z.B. der Dalai Lama, erweisen sich als starke und gesunde Persönlichkeiten. In diesem Artikel gehe ich der Frage nach, wie die Lehre vom Nicht-Selbst zu geistiger Gesundheit führen könnte, und erwähne am Ende auch die Risiken eines falsch verstandenen Nicht-Selbst-Begriffes. Der Titel „Das wahre Selbst ist das Nicht-Selbst“ entstammt einem Zitat des vietnamesischen Zen-Meisters Thich Nhat Hanh.

Schlüsselwörter: Nicht-Selbst, Buddhismus, Meditation, relative und absolute Wirklichkeit, Klares Licht, Natur des Bewusstseins