Ausgabe 02/2003
Editorial
Dieses Heft deckt eine große Spannbreite an Themen ab, die von der Psychologie der Person bis in die große Politik hineinreichen. Joachim Galuska setzt sich mit dem Seelenverständnis auseinander, das durch eine transpersonale Orientierung über die funktional verstandene „Psyche“ einerseits und die religiös verstandene „unsterbliche Seele“ anderseits hinausreicht und beide Seelenbegriffe umfasst.
Wilfried Ehrmann hat mit Stanislaf Grof ein kritisch-konstruktives Gespräch über die holotrope Atemarbeit, ihre Möglichkeiten und Grenzen geführt. Stefan Brunnhuber entwirft einen psychologischen Entwicklungsbegriff auf der Grundlage des Spektrums des Bewusstsein von Ken Wilber und zeigt, wie dieses Entwicklungsverständnis – und insbesondere der Ebenenwechsel – für psychotherapeutisch-medizinische Einzeldisziplinen genutzt werden kann. Und Konrad Stauss entwirft Ansätze eines Menschenbilds für eine postmoderne Psychotherapie auf der Grundlage von anthropologischen Grundmerkmalen; dabei bezieht er neben psychologischen auch umfassende neurologische und philosophische Erkenntnisse sowie transpersonale Einsichten und Forschungsergebnisse mit ein.
Einen Themenschwerpunkt dieses Heftes bildet die Frage nach dem Verhältnis von Spiritualität und Politik. Gotthard Fuchs erinnert an den vor mehr als 40 Jahren auf tragische Weise verunglückten Generalsekretär der Vereinten Nationen Dag Hammarskjöld, der sowohl weitsichtiger Politiker als auch Mystiker war, und er lässt ein lebendiges Bild dieser vielschichtigen Persönlichkeit entstehen. Gregory Wilpert legt eine vielperspektivisch reflektierte Analyse der Irak-Krise auf der Grundlage von Ken Wilbers AQAL-Philosophie (Alle Qaudranten, alle Stufen, alle Dimensionen, ......) vor und zeigt – auch persönlich realisierbare – politische Handlungsmöglichkeiten auf.
Unter der Rubrik „Impulse“ konnten wir zu eben dem Verhältnis von Spiritualität und Politik eine Kollegin und vier Kollegen gewinnen, die ihre persönlichen Einstellungen und Umgehensweisen mit den politischen Turbulenzen der letzten Zeit für uns aufgeschrieben. Alle diese Kollegen aus verschiedenen Kontinenten sind politisch sehr engagiert und aktiv und haben gleichzeitig Zugang zu spirituellen Perspektiven; sie haben den Mut gefunden, ihr persönliches Ringen mit diesem Spannungsfeld zu veröffentlichen.
Spiritualität und Politik, das ist auch das Themenfeld der eindrücklichen Zwischentexte von Dorothee Sölle. Leider müssen wir das mit einem Nachruf auf diese mutige und sensible Frau verbinden, die im April dieses Jahres gestorben ist. Sie hat Mystik und Widerstand, Kampf und Kontemplation in einer überzeugenden Weise verbunden.
Schließlich fügen wir noch den Versuch einer internationalen Arbeitsgruppe an, die Begriffe „Gesundheit“ und „Krankheit“ aus einer integralen Perspektive neu zu definieren und damit weit über die Definition der WHO hinauszuführen.
Die kurzen Beiträge unter dieser Rubrik sollen unsere Leser und Leserinnen zur Diskussion und Stellungnahme herausfordern.
In eigener Sache: Edith Zundel und Joachim Galuska haben die Zeitschrift 1995 ins Leben gerufen und auch selbst redaktionell zusammen mit Ulla Pfluger-Heist und seit 2001 mit Ludwig Frambach als redaktionellen MitarbeiterInnen gestaltet.Herausgeberschaft und Redaktion wurden nunmehr getrennt: Edith Zundel und Joachim Galuska behalten die Herausgeberschaft. Edith Zundel bleibt dankenswerterweise auch weiterhin in der Redaktion tätig, die nunmehr von ihr, Ludwig Frambach, Reinhard Fuhr und Ulla Pfluger-Heist gebildet wird. Harald Piron ist neuer redaktioneller Mitarbeiter und u.a. zuständig für „Tagungen und Ankündigungen“. Die einzelnen Ausgaben werden jeweils von einem Team von zwei Redaktionsmitgliedern gestaltet.Ludwig Frambach Reinhard Fuhr

