Transpersonale Psychologie und Psychotherapie»Inhaltsübersicht»Ausgabe 01/2007 - 13. Jahrgang - Heft 1

Ausgabe 01/2007

Ein verhaltenstherapeutischer Ansatz zur Behandlung von neurotischen und spirituellen Krisen

Harald Piron, Köln

Zusammenfassung: Die Verhaltenstherapie hat seit den 50er Jahren bis heute einige Phasen durchlaufen. Zu Beginn war sie noch ganz dem Behaviorismus verpflichtet. Der Mensch war eine „black box“, in der Konditionierungen stattfanden. In den 60er Jahren wurde dieses sehr simple mechanistische Menschenbild um die Dimension der Kognitionen erweitert. Emotionen und Verhaltensweisen wurden jetzt nicht mehr ausschließlich als reflexartige Mechanismen betrachtet, sondern im Kontext der kognitiven Dynamik verstanden. Demnach reagieren wir nicht einfach auf die Situationen und Ereignisse an sich, sondern vielmehr auf unsere Meinungen, Überzeugungen und Bewertungen in Bezug auf diese äußeren Dinge. Seit dieser kognitiven Wende, die durch Ellis, Beck, Lazarus und Meichenbaum begründet wurde, hat sich die VT beständig weiterentwickelt. Obwohl die transpersonale Psychologie bei Verhaltenstherapeuten nie eine große Berücksichtigung fand, konnte doch das erstmalig von Jon Kabat-Zinn eingeführte Konzept der Achtsamkeit in der Verhaltenstherapie Fuß fassen. In der DBT von Linehan zur Behandlung von Borderline-Störungen und in der MBCT von Segal, Williams und Teasdale zur Rückfallprophylaxe bei Depressionen wird von einer Dimension ausgegangen, die nicht mit der kognitiven Ebene identisch ist bzw. nicht auf Kognitionen reduziert werden kann. Dieser Schritt wurde jedoch in der Modellbildung der VT noch nicht vollzogen. In diesem Artikel soll eine Modellerweiterung der VT vorgenommen werden, in der die Dimension des Bewusstseins als fünfte, bisher ignorierte Dimension Berücksichtigung findet und die transpersonalen Qualitäten Präsenz und Resonanz als essenzielle Wirkfaktoren spezifiziert werden. Anhand von Fallbeispielen werden die einzelnen Prinzipien und Schritte des Modells konkretisiert.

Schlüsselwörter: Transpersonale Verhaltenstherapie, Bewusstsein, Präsenz und
Resonanz, personale und transpersonale Pathologien, Evokation, Selbsttranszendenz, Phasen des Transformationsprozesses