Ausgabe 01/2006
Die Bodhisattva-Haltung – Zuwendung zum anderen
Zusammenfassung: Die Geisteshaltung eines Bodhisattva mit seinem/ihrem Gelübde, alle leidenden Wesen zu erretten, ist offensichtlich eine völlig andere als die des vom neoliberalen Sozialdarwinismus geprägten „Ich-Zuerst“. Menschlichkeit als Wert, als Ideal oder gar als Aufgabe existiert im allgemeinen Werte-Bewusstsein westlicher Gesellschaften so gut wie nicht mehr, sie wird aber insbesondere in der Alten- und Krankenpflege noch als vorhanden vorausgesetzt. Aber diese Verpflichtung zur Zuwendung führt leicht zur Frustration und Erschöpfung. Dem Bodhisattva-Weg zu folgen heißt, seine eigenen Motive und Absichten klar zu sehen, die egoistische und egozentrierte Haltung aufzugeben und sich den anderen aus Einsicht helfend zuzuwenden, sein Leben allen Wesen zu widmen. Der Bodhisattva-Weg stellt zwar vordergründig eine „irrationale Überforderung“ dar, ist aber eine altruistische Form der Lebensausrichtung, in der sich die Ideale des Buddhismus mit denen des Christentums vereinigen.
Schlüsselwörter: Ethik, Altruismus und Zuwendung, Krankenpflege, Gott,
Bodhisattva-Haltung.

