Ausgabe 01/2004
Der Psychotherapeut der Zukunft – ein Mystiker?
Unterwegs zum Buddha-Berserker
Zusammenfassung: Der Gegensatz zwischen Licht und Dunkel, Christos und Berserker, dem unheimlichen Schatten des Selbst, scheint unauflöslich. Dieser Gegensatz ist in unserer Seele, und auch unsere Welt, wie sie ist, zeigt diese Bipolarität. Die Verweltlichung der Seele und die Folgen der Isolation des Einzelnen: Aggression, Terror und Bombenkrieg stehen wider die aufblühende Spiritualität tiefreligiöser Qualitäten. Es gibt jedoch Lösungswege. Mythologisch beschreibt das Bild vom Helden und seinem Drachen dieselbe Spannung. Der Held muss sich mit dem Drachen auseinandersetzen. Diese Auseinandersetzung mit der dunklen Seite der Seele birgt dann bereits das Neue in sich. Am Beispiel des Schweizer Heiligen Nikolaus von der Flüe zeigt der Autor auf, dass dort, wo die Coincidentia Oppositorum, die Vereinigung der Gegensätze, geschieht, wo das Dunkle gesehen, verwandelt und integriert wird, das Potenzial zu einem höheren Bewusstsein entsteht. Schicksalsschläge und Nahtoderfahrungen haben eine sehr wichtige Funktion bei dieser Verwandlung. In der Initiatischen Therapie nach Dürckheim geht es um den doppelten Ursprung des Menschen: seine Körperlichkeit, die wir mit den Tieren gemeinsam haben, und seine Geistigkeit, die uns mit Transzendentem verbinden kann. Dabei geht es darum, die nicht sichtbare, transzendente Welt in die sichtbare, immanente
Welt einzubeziehen, damit wir Ja sagen können zu dem, wie wir sind und dem eigenen Schicksal, Ja zum anderen, wie er ist, und Ja zur Welt, wie sie ist. Der Therapeut ist Führer und Begleiter auf diesem Weg
Schlüsselwörter: Coincidentia Oppositorum, das Dunkle als verwandelnde
Kraft, Verweltlichung der Seele, Reintegration des Spirituellen, Therapeut als Wegführer und Wegbegleiter.

