Transpersonale Psychologie und Psychotherapie»Inhaltsübersicht»Ausgabe 01/2004 - 10. Jahrgang - Heft 1

Ausgabe 01/2004

Das schwierige Verhältnis von Psychotherapie und Politik

Gerhard Mayer, Freiburg

Zusammenfassung: Der Beitrag befasst sich mit Fragen und Problemen der gesellschaftlichen Funktionen der Psychotherapie. Es wird zwischen den in die Kassenversorgung aufgenommenen und anderen, teilweise als „alternativ“ bezeichneten Psychotherapieformen unterschieden. Bei der Verhaltenstherapie und der Psychoanalyse ist seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine starke Medizinalisierung und Anpassung an die Kriterien der Naturwissenschaften festzustellen, wobei die kulturkritischen und aufklärerischen Aspekte vor allem der frühen Psychoanalyse weitgehend in den Hintergrund getreten sind. Bei den transpersonal oder esoterisch orientierten Formen hingegen scheint die Neigung zu einer wenig bewussten Vermischung des therapeutischen und des gesellschaftspolitischen Bereichs zu bestehen, wobei ggf. therapeutisches Erleben mit politischem Handeln gleichgesetzt wird und Eigenheiten von Handlungspraxen aus anderen Kulturen (z. B. Rituale) zu wenig reflektiert in unsere Kultur transferiert werden. Es bestehen auch die Gefahr einer fehlgeleiteten Subjektzentrierung und der Wunsch, sich die Hände nicht schmutzig machen zu wollen. In einem letzten Schritt werden einige Vorschläge aus dem Erörterten abgeleitet, die fruchtbare Impulse für die Verbesserung des „schwierigen“ Verhältnisses von Psychotherapie und Politik geben könnten.

Schlüsselwörter: Medizinalisierung, Individualisierung, Kulturkritik, gesellschaftspolitische Funktion der Psychotherapie, transpersonale Psychotherapie, New Age.