Ausgabe 01/2003
Editorial
Diese Ausgabe hat im Laufe ihres Werdens den Themen-Schwerpunkt “Transpersonale Dimensionen der Entwicklungspsychologie” angenommen.
In ihrem Artikel über „Die spirituelle Dimension in der Traumatherapie“ geht Ursula Wirth der transformativen Potenz traumatischer Erfahrungen nach und beschreibt sie als möglichen Entwicklungskatalysator, der zu beeindruckendem „posttraumatischen Wachstum“ führen kann. Da sich im Anschluss Karl-Klaus Madert ebenfalls mit „Trauma und Spiritualität“ befasst, ergibt sich eine Art Dialog: Eine Frau und ein Mann befragen traumatische Erfahrungen nach ihrem spirituellen Entwicklungspotenzial und entfalten das Thema, das in der heutigen Welt rasant an Bedeutung erlangt – das ist auch aus der wachsenden Zahl von Veröffentlichungen darüber ersichtlich! - , auf je eigene Weise und in verschiedener Haltung.
Karl Winter bewegt sich mit seinem Thema im Bereich „klassischer“ Entwicklungspsychologie, nämlich der frühen Kindheitsentwicklung, und stellt dabei die Frage, wie die Theoriebildung einer transpersonalen Entwicklungspsychologie so zu konzeptualisieren wäre, dass die transpersonalen Erfahrungen, die Väter und Mütter mit ihren Kindern machen, darin auf angemessene Weise Platz finden, wie das bisher noch kaum der Fall ist.
Einen literarisch-psychologischen Blick auf die „Stufen des Lebens“, also die Entwicklung des Menschen von der Geburt bis zum Tod, wirft Norbert Frey in einem ganz poetisch durchdrungenen Artikel. Er schaut dabei auf die Aufgaben, die in den aufeinander folgenden Lebensphasen zu vollbringen sind, damit Transzendenz erwachsen und sich die nächste Stufe als neue Blüte entfalten kann.
Johann Munzer stellt ein ausgearbeitetes und kommentiertes Interview mit Ken Wilber vor. In dem hier ausgewählten Gesprächsabschnitt geht es um archtypische Bilder und deren Einordnung in das hierarchische Entwicklungsmodell, wie Wilber es entwickelt hat. Dieses Interview ist ein lebendiges Dokument, bei dem man sozusagen „Wilber live“ erleben kann. Es gibt ja einige in letzter Zeit veröffentlichte Interviews, die über E-Mail-Kontakte geführt wurden, und man kennt die sogenannten „Interviews“, die als literarisches Stilmittel für verschiedene Wilber-Texte benutzt wurden. Hier hört man Wilber direkt sprechen und erlebt in Johann Munzer ein Gegenüber, das den Fragen mit Ausdauer auf den Grund geht.
In unserer Rubrik „Empirische Forschung im transpersonalen Bereich“ stellen wir dieses Mal die Studie von Cornelia Albani u.a. über Wilfried Belschners Skala „Transpersonales Vertrauen (TPV)“ vor. Die Studie empfiehlt die Skala als ökonomisches Instrument für weitere Forschung und Praxis.
Wir wünschen uns, dass die Diskussion um das Thema mit diesem Heft fruchtbare Anregungen erhält, und freuen uns wie immer auf Reaktionen und Rückmeldungen, auf Kommentare und Anregungen aller Art.
Ulla Pfluger-Heist

